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BLACK OUT BRD
Geschrieben von: Gerhard Wisnewski   
Montag, den 16. Februar 2009 um 23:35 Uhr
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Außen emotional, innen hohl

Der Film Black Box BRD bietet ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie man es schafft, ein hochbrisantes Thema anzufassen, ohne eine der brenzligen Fragen auch nur zu streifen. Fast schon peinlich, wie sich die Autoren durch dieses politische Minenfeld bewegt haben, oder besser: wie sie darüber hinweg geschwebt sind. Da haben sie nun wichtige Freunde und Angehörige eines angeblichen "RAF"-Täters und -Opfers vor die Kamera bekommen und bringen es fertig, von ihnen eigentlich nichts wissen zu wollen. Zum Beispiel:

- wer ihrer Meinung nach die Täter im Fall HH waren
- wie sie sich die notorische Fahndungsmisere erklären
- welche Feinde HH eigentlich wirklich hatte

Eine wirkliche und authentische "RAF" kann nicht zu seinen Feinden gezählt haben, denn HH verfolgte zum Zeitpunkt seines Todes eines der wichtigsten Ziele der Linken: die Entschuldung der Dritten Welt. Die selbsternannten Revolutionäre hätten sich glatt ihren wichtigsten Verbündeten im Establishment weggebombt. Wir dürfen das HH-Attentat jedoch nicht für einen Akt der Dummheit halten - dafür steckte in seiner Ausführung viel zuviel Intelligenz.

Der Film Black Box BRD wird von keinerlei Erkenntnis- oder Vermittlungsinteresse geleitet. Er will nichts verstehen und auch nichts erklären. Er will nur eins: Er will Herrhausen und Grams in Zusammenhang bringen. Black Box BRD erweckt den durch nichts zu rechtfertigenden Eindruck, HH und der angebliche "RAF"-Mann Grams hätten etwas miteinander zu tun gehabt. Er tut dies durch die Auswahl der Personen und das Kinoplakat, auf dem die Konterfeis von HH und Grams verschmelzen. Die Kombination Grams/HH erweckt einen Eindruck, der sich durch keine Ermittlungsergebnisse rechtfertigen läßt und der sich nur schwer wieder auffangen läßt - auch dann, wenn man den Film gesehen hat. Denn entscheidend ist, was hängenbleibt, vor allem auch bei der großen Mehrzahl der Leute, die von dem Film nur GEHÖRT oder GELESEN hat. Denn was übrigbleiben wird von diesem hohlen Werk, ist: Das Herrhausen-Attentat, das war doch irgendwie Grams, da gabs doch mal 'nen Film. Das ist die einzige wirkliche (und durch nichts gestützte) Botschaft des Films - ist dies auch sein einziger Sinn?

Möglich, denn die lange Liste der Förderanstalten im Abspann beweist, daß Black Box BRD in jeder Hinsicht politisch willkommen gewesen sein muß.

Die vielseitig verwendbare Leiche Grams hat mit diesem Film eine erstaunliche Karriere gemacht. Grams kommt nun in Frage für folgende Tötungsdelikte:

- den Polizeibeamten Michael Newrzella in Bad Kleinen 1993
- sich selbst in Bad Kleinen 1993
- Detlev Karsten Rohwedder 1991 (durch angebl. gefundene Haare)
- Alfred Herrhausen 1989

Die letzten beiden Verdachtsmomente werden nicht explizit geäußert, aber der Öffentlichkeit durch angeblich gefundene Beweismittel (Haare von Grams) oder propagandistische Gegenüberstellungen (Black Box BRD) nahegelegt. So wird aus einer Leiche ein Topterrorist, und in dieses Schauspiel paßt Black Box BRD als kleines Rädchen im Uhrwerk bestens hinein.

In Wirklichkeit ist die Täterschaft Grams' in keinem einzigen dieser Fälle erwiesen, und zwar aufgrund massiver Beweismittelmanipulation durch das Bundeskriminalamt am Tatort Bad Kleinen. Es gibt eigentlich keinen Grund anzunehmen, daß das BKA im Fall Grams neuerdings sauber ermittelt und der angebliche Haar-Beweis Hand und Fuß hat. Im Gegenteil ist zu befürchten, daß das BKA mit seiner Beweismittelmanipulation fortfährt, um Grams zum Kerntäter der nebulösen Dritten Generation zu machen. Über Grams können die Fahnder das Blaue vom Himmel herunter behaupten, da ihre Beweise aufgrund des Todes des Beschuldigten keinem Gerichtsverfahren standhalten müssen. So werden möglichst viele der Taten der Dritten Generation in der Person Grams gebündelt, um den Eindruck der Aufklärung zu erwecken. In Wirklichkeit ist gar nichts aufgeklärt, nicht einmal, wer Wolfgang Grams und Michael Newrzella am 27. Juni 1993 wirklich erschoß.

Interessant ist übrigens, was seine Lebensgefährtin Birgit Hogefeld in einem Porträt über ihn schrieb. Nach ihrer intimen Kenntnis war Grams "ein sehr ruhiger, eher in sich gekehrter Mensch. Schon an seiner Art sich zu bewegen, war ihm anzumerken, daß Hektik und jede Form von Streß seinem Naturell zuwider lief."

Sieht so ein Guerillakämpfer aus, der nicht nur perfekte Attentate ausklügelt, sondern auch die kleine Unbequemlichkeit auf sich nimmt, von einem der effektivsten Fahndungsapparate der Welt gejagt zu werden? Natürlich nicht.

Erst wenn man dieses Porträt genauer liest, merkt man, wie schlampig es zusammengefummelt wurde und wieviele Widersprüche in ihm stecken.

So zitiert Hogefeld beflissen "Meine Genossinnen und Genossen aus der RAF". Die Dunkelmänner, die nach Grams Tod ebenfalls ein Psychogramm ihres angeblichen Mitkämpfers fabriziert haben, rühmen »seine Skepsis gegenüber vorschnellen Entscheidungen, seine Geduld, etwas auch mehr als einmal zu hinterfragen, was von allen anderen Genauigkeit in der Auseinandersetzung gefordert hat und was nicht immer bequem war - damit hat er z. B. dafür gesorgt, alle Aspekte der Situation oder der eigenen Vorstellung anzusehen und nicht nur die Aspekte wahrzunehmen, die einen selbst bestätigen.«

Donnerwetter. Und wie konnte es einer von diesem Glanzlicht mitgetragenen "RAF" dann passieren, ausgerechnet einen Mann wie Herrhausen umzubringen? Jemanden, der bereits die Forderungen der grünen Opposition im Bundestag und der Kritischen Aktionäre der Deutschen Bank vertrat?

Solche Annahmen können eigentlich nur auf einem Black Out beruhen - auf einem Black Out BRD.


Link zum original-Artikel: http://www.gerhard-wisnewski.de/Bucher/Das-RAF-Phantom/Archiv-News-um-die-RAF-vom-Feb-2001-bis-Juni-2001.html

Autor Gerhard Wisnewski

Datum 2001


Tags: grams  black  brd  raf  film